Bijou 23

Bisexualität in Afrika: Südafrika (BiJou 23)

Cartoon

Um meine Antwort zu verstehen, muss man wissen, woher ich meine Meinung beziehe. Ich war als freiwilliger HIV/Aids-Beauftragter meiner Firma für die Gesellschaft, in der ich lebe, tätig. Ich präsentierte ein Aids-Präventionsprogramm, welches sich gezielt an vorwiegend große Gruppen wie Hochschulen, Kirchengruppen, Sportclubs, Jugendzentren usw. richtete. Im Zeitraum zwischen 1994 und 2004 betreute ich mehr als 33000 Männer und 18000 Frauen.

90% der Männer waren entweder schwul oder bisexuell. Von diesen 90% waren 70% schwul und der Rest bisexuell. In allen meinen Interaktionen mit ihnen fragte ich, wie sie sich ihrer Einstellung bewusst geworden sind, und die erschreckende Offenbarung ihrer sexuellen Erfahrungen ließ mich darüber nachdenken, was mir in meiner Heterosexualität fehlte. Nichts erschreckt mich mehr, als das, was ich gehört und gesehen habe. Leider kann ich aufgrund meiner Verschwiegenheitspflicht nicht über alles reden, aber mein Kopf ist so voll von Stories, dass ich manchmal darüber nachdenke, sie als Kurzgeschichten festzuhalten und sie an einen Verleger zu verkaufen. Ich denke, auch ein Produzent von Schwulen-Pornos könnte daraus einstündige Filme machen.

Alle bisexuellen Männer, die ich getroffen habe, wussten nichts von ihrer Bisexualität, bis sie einen wirklich attraktiven Mann getroffen haben. Die meisten machten ihre ersten Erfahrungen unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen am College oder der Universität und setzten diese fort, auch wenn sie schon verheiratet waren und Kinder hatten.

Diese Art, sich zu verhalten, ist für die heterosexuelle, sogenannte „straighte“ Welt, nicht akzeptabel. Solange in Südafrika die Gesetze die Schwulendiskriminierung tolerieren, findet eine ständige Stigmatisierung statt. Deshalb wird auch keiner dieser Menschen sich öffentlich outen. Sie enden als Außenseiter. Das Gesetz in diesem Land erlaubt zwar gleichgeschlechtliche Ehen, jedoch würden diese sehr stark in die Medien eingehen. Es gibt nach wie vor homophobe Menschen in diesem Land, die die Gesetze ignorieren und Homosexuelle und Bisexuelle angreifen, bis hin zum Mord. Sei dir bitte bewusst, dass das Rechtssystem in Südafrika ein ziemliches Chaos ist. Mittels Korruption werden solche Leute niemals zur Rechenschaft herangezogen. Daher sind Bis und Gays in dieser Gesellschaft starke Außenseiter und in ihren eigenen Kreisen eingeschlossen. Es gibt zahlreiche Webseiten, die den Leuten helfen, sich zu orientieren und Kontakte zu knüpfen. Auch existieren einige Schwulenclubs, Hotels, Restaurants und Nachtclubs. Einige sogenannte „Adult World“-Kinos bieten auch Filme für Gays und Bis an, wo man gegen Geld Schwulenpornos sehen und auch die eine oder andere Affäre finden kann. Doch dies sind nur Ausnahmen in Südafrika. Ich sah oft verheiratete Männer mit Ehering am Finger an solchen Orten. Und dies ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass es sich um bisexuelle Außenseiter handelt.

Ich denke, jeder Mann ist homosexuellem Sex irgendwo emotional aufgeschlossen, vor allem im Alter zwischen 13 und 18. Einige experimentieren mit engen Freunden, während andere im Abseits stehen, bis sie älter sind. Einige bekennen sich zu ihrer Bisexualität, selbst nachdem sie geheiratet haben, und andere trennen sich von diesem Teil und bleiben ihrer Partnerin treu. Hier ist es definitiv nicht normal für die Leute, dieses Verhalten öffentlich zu zeigen.

Was das Problem noch verkompliziert, ist die Vermischung diverser Kulturen in diesem Land. In vielen Ethnien ist es ein Tabu für die Familie, die Homo- oder Bisexualität eines Familienmitgliedes zu akzeptieren. Auch in einigen Religionen ist dies ein Tabu und sobald das Umfeld vom Outing weiß, kann dies zu vielen Problemen führen. Es gibt keine Möglichkeit für die Bis und Gays verschiedener Rassen in diesem Lande, ihre Orientierung ihren Familien zu offenbaren. Genauso werde ich auch keinem aus meiner Familie davon berichten. Die ältere Generation ist sehr engstirnig und sie tendieren dazu, die Kinder bereits in jungen Jahren zu prägen. Ich traf einen Jungen, dessen Eltern ihm, als er zwischen 3 und 14 Jahren alt war, ständig erzählten, dass sein Penis schrumpfen würde und sogar abgeschnitten werden würde, wenn er masturbieren würde. Viele weiße und indische Eltern erzählen ihren Kindern so gar nichts über Sex oder wie sie geboren wurden. In der indischen Gesellschaft ist dies bis heute verpönt. Eltern, Familie oder Freunden kann man diese Geheimnisse ebenso wenig anvertrauen. Wie auch immer, wenn diese Leute 18 oder älter sind, beginnen sie, ihre Erfahrungen zu machen und dies auch in aller Heimlichkeit.

In Südafrika haben wir verschiedene ethnische Gruppen, sowohl Weiße, als auch Inder, Farbige und Schwarze. Sie alle tendieren dazu, innerhalb ihrer Ethnie zu bleiben, jedoch finden hin und wieder auch Interaktionen untereinander statt.

In allen meinen benachbarten Ländern, gibt es nur eine Handvoll von bisexuellen und homosexuellen Menschen. Diese Länder haben sogar Gesetze gegen ihre Orientierung. Also bleiben auch sie ausgegrenzt.

Vielleicht einer von 1 Mio. Leuten ist ein „Shemale“ – nur eine Nadel im Heuhaufen.

Im Grunde sind alle Menschen in Südafrika recht engstirnig und zu ängstlich, um über ihre Orientierung zu sprechen. Zu groß ist die Furcht davor, Opfer oder eingeschüchtert zu werden. Es ist keine wirklich glückliche Situation.

J. Hunter, übersetzt von Julia

Aktualisiert: 10/2009
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